Handlungsort/ Setting: Kroatien

Projizierter Ort/ Projected place: keiner

Handlungszeit/ Time of action: 1990er Jahre

Route: keine

Marker: Amerika, Zadar

Dorf in Kroatien

„Als ich im Oktober 1968 geboren wurde, wußte ich nicht, daß ich dreiundzwanzig Jahre später sterben sollte.“ (S. 9)

„So starb ich, Miroslav Branko Papir, im Oktober 1991 an meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag und stieg in den wartenden Bus, ohne mich erneut umzuwenden.“ (S. 14)

„Wo der Linienbus Richtung Zagreb wartete (…) Der Marktplatz war verlassen, früh um fünf hielt sich hier niemand auf. Das einzige Geräusch kam von den Melkmaschinen und schwebte summend über dem schlafenden Dorf. (…) Ich erkannte das blasse Gesicht meiner kleinen Schwester (…) Der Bus wartete mit laufendem Motor in der Kurve gegenüber der Kirche. Er wirkte wie aus einer fremden Zeit, reserviert für eine Reise in die Zukunft.“ (S. 10)

„In diesem Dorf hatte sich seit meiner Kindheit nichts verändert. (…) Ich war in Zivil (…) Meine Uniform lag zwischen zwei Lagen Zeitungspapier auf dem Boden des Koffers.“ (S. 11)

„Ich hatte genug von Jelena (Mutter), ich hatte genug von diesem Dorf. Voller Bedauern betrachtete ich meine kleine Schwester.“ (S. 12)

„Diese traurige Ansammlung von Häusern, Nachbarn und Schulkameraden.“ (S. 13)

„Daumen und Zeigefinger fehlen. Er hat sie als Junge an eine Sau verloren. (…) Bevor ihm die Sau die ganze Hand wegfraß, erschlug Josips Vater sie mit der Axt.“ (S. 21)

Kroatien

„Diese Bundesarmee ist überall. Ein Haufen Verrückter zieht durchs Land und mordet, während wir hilflos zusehen.“ (S. 19)

„Ein Großteil der Touristen konnte ja in diesem Jahr nicht ans Meer. Sie fuhren so weit, wie sie durften. Das Land ist billig, also was soll es? Außerdem ist Kroatien im Aufbau.“ (S. 46)

Plitvice

Ihre Mutter betet jeden Morgen, daß das Gemetzel aufhört. Sie hat noch immer das Haus aus Plitvice. Erinnerst du dich, wie wir als Kinder dort schwimmen waren? Du würdest die Gegend heute nicht mehr wiedererkennen.“ (S. 19)

Križevci

„Ich kenne Križevci. Es ist drei Jahre her, daß ich hier gewesen bin, dennoch wirkt die Stadt auf mich unverändert. Dieselben Risse auf den Straßen, dieselben schiefen Bürgersteige und bröckelnden Fassaden. Die Geschäfte wirken trist. Eingestaubte Schuh und Modeläden, Kioske und Supermärkte mit sonnengebleichten Plakaten in den Schaufenstern und abblätternden Aufklebern an noch unberührt vom Krieg, obwohl nachts die Fenster verdunkelt werden. Zweimal waren bisher die Sirenen zu hören, hat Josip erzählt. Flieger hatten es auf die Mühle abgesehen gehabt, aber geschehen ist am Ende dann doch nichts.“ (S. 26)

„Ich habe mich hier nie zu Hause gefühlt. Jeder wußte, daß ich vom Land kam. Ich mache mir nichts vor, Križevci ist nur eine weitere Haltestelle.“ (S. 26)

„Der seichte Klatsch einer Kleinstadt zieht an mir vorbei.“ (S. 26)

„Vielleicht ist das so, wenn man in solch einer Stadt aufwächst, vielleicht empfindet man bei jeder kleinen Veränderung Stolz. Ich kann es nicht beurteilen, denn das Dorf, das ich verlassen habe, ist kein Maßstab. Nichts hat mich dort mit Stolz erfüllt.“ (S. 27)

„In dieser Stadt hier kommst du weiter, du mußt dich nur ein wenig gedulden. Geduld ist wichtig. Und du mußt natürlich die richtigen Leute kennen, sonst läuft nichts.“ (S. 27)

„Ich sag dir, Križevci erlebt einen Boom, der Brunnen ist nur der Anfang.“ (S. 27)

„Auf dem Hauptplatz ist eine Kellnerin vor dem Putnik gerade dabei, Plastiktische – und stühle aufzustellen. (…) Ihr Mann starb vor zwei Jahren auf der Baustelle.“ (S. 28)

„Seitdem ich in diese Stadt gekomemn bin, fehlt mir die Kontrolle. Ich bin auf Hilfe angewiesen.“ (S. 29)

„Ich sehe kaum Jugendliche, doch das wird sich ändern, sobald die Schule zu Ende ist. Erst am Abend kommt etwas Leben in die Stadt.“ (S. 30)

„Der Marktplatz befindet sich auf dem ungenutzten Hinterhof einer Baufirma. Wer das nicht weiß, läuft daran vorbei. Der Eingang ist unauffällig und erinnert an das Seitentor einer mittelalterlichen Burg. Der Platz zwischen den bogenartigen Wändern reicht gerade aus, um einen Handkarren hindurchzulenken. (…) Schon in diesem schmalen Gang stellen Händler Waren aus. Tücher und Sandalen, Lederbeutel, Ziegenkäse, billiger Schmuck und Plastikspielzeug. (…) ignorieren die Hände der Bettler.“ (S. 32-33)

„Križevci scheint nur leer. Der Tourismus ist hier nicht aufzuhalten. Unser Hotel ist pausenlos ausgebucht, mußt bloß nach Mitternacht in die Bars oder Discos gehen, da trifft dich der Schlag, so voll ist es. Die Stadt ist gefragt. Nicht nur Zagreb oder Koprivnica, nein, diese Stadt hier ist richtig in. Sie erwacht erst in der Nacht.“ (S. 46)

„Als ich aus der Stadt hinausfuhr, war sie leer und idyllisch, so daß ich mir einen Moment lang ernsthaft vorstellen konnte, mein restliches Leben hier zu verbringen.“ (S. 48)

„Ich weiß nur, daß es sich keiner in einem Ort wie Križevci erlauben kann, wild durch die Gegend zu bumsen.“ (S. 61)

„Nach der Arbeit esse ich in einem Restaurant (…) keine fünfzig Meter von der Tankstelle entfernt am westlichen Ortseingang von Križevci (…) Arbeiter setzen sich zu mir an den Tisch, lesen Zeitung, plaudern oder schweigen, sprechen über den Krieg und die Kälte. Sie rauchen und trinken Bier, Schnaps oder Cognac. Manchmal spielen sie Karten“ (S. 75)

Cafeteria in Križevci

„Es ist Mittagszeit und in der Cafeteria herrscht Hochbetrieb.“ (S. 43)

Wohnung von Josip (Brankos Cousin) in Križevci

„Das Zimmer war vor der Geburt ihres zweiten Kindes die Speisekammer – ein Schlauch, dessen Wände noch immer nach geräuchertem Schinken, Zwiebeln und Wurst riechen. Die Decke ist in einem blassem Gelb gestrichen und das Fenster so hoch angelegt, daß kaum Licht einfällt.“ (S. 23)

„Fast der gesamte Boden ist mit Spielsachen, Kleidung und Comic-Heften bedeckt. Bunte Zeichnungen schmücken die fahle Tapete, ein Plakat von der Sesamstraße hängt über dem Kopfende des Bettes. Das Bett selbst ist eine chaotische Ansammlung von Stofftieren, Malbüchern und Bausteinen.“ (S. 23)

Brankos Wohnung in Križevici

„Tatjana hat für mich eine 2-Zimmer-Wohnung in der Nähe vom autobusni kolodvor gefunden. Ich kann Anfang nächsten Monats einziehen.“ (S. 71)

Amerika

„Amerika ist ein verrücktes Land, alle sprechen schlecht darüber, doch niemand macht so gute Filme. (…) Manche erzählen von der chaotischen, korrupten Politik und davon, daß Amerika ein Land der Waffen ist.“ (S. 36)

Zadar

„Zadar wird belagert, die Altstadt bombardiert.“ (S. 56)

Velika Gorica

„Fahren, nur fahren gibt mir mein Gleichgewicht zurück. Durch Zagreb und in Richtung Velika Gorica. (…) Am Ufer der Odra halte ich (…) Sobald ich Sisak erreiche, will ich umdrehen und wieder zurückfahren. (…) Von Sisak aus nehme ich die Straße nach Potok und weiche einer Baustelle aus. Ich rumple über grobe Landwege, verirre mich wie der letzte Trottel und komme erst nach einer Ewigkeit wieder auf eine asphaltierte Straße.“ (S. 64)

Plovica

Sie lebt in Plovica, einem Dorf neun Kilometer von Vrbovec entfernt, und ihr Name ist Ivanka. (…) Sie arbeitet als Kellnerin in einer Kneipe.“ (S. 67)

„Plovica besteht aus einer Hauptstraße mit dunklen Häusern und rissigem Asphalt. Die Gebäude wirken geduckt, als würden sie lauernd auf ein Opfer warten. (…) Dort an der Bäckerei rechts, es ist das erste Haus. Es ist ein schmaler Bau, wahrscheinlich nur zwei Zimmer, Bad und Küche. Das Haus klebt wie ein Bauklotz zwischen der Kirch einem Bauernhof.“ (S. 69)

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