Handlungsort/ Setting: Temeswar, Italien, Amerika
Projizierter Ort/ Projected place: keiner
Route: Osten – Westen
Handlungszeit/ Time of action: Ende der 1980er Jahre
Marker: Russland
Temeswar
„Links und rechts und unterhalb von uns wohnten eine Menge anderer Leute. Einige hielten Katzen, Hunde, Kanarienvögel, Schwiegereltern. Es gab in unserer Nachbarschaft siebzehn Schwiegereltern und zwölf Haustiere. In diesem unserem Land wohnten wir überhaupt alle eng beieinander. Das stärkte unser sozialistisches Lebensgefühl. Bestimmt. Enger wäre es nur gegangen, wenn wir alle in der gleichen Wohnung gelebt hätten. (…) Von außen sahen unsere Wohnungen wie kleine beleuchtete Würfel aus, aufeinandergeschachtelt. In ihrem Inneren stritten Erwachsene über weiß ich was.“ (Wunderzeit 2001, S. 7)
„Wir überquerten die Schienen der Straßenbahn durch ein Loch im Zaun, der die Straße teilte, und gingen ins Nachbarhaus hinein. Wir fuhren ins oberste Stockwerk. Von dort aus gelangten wir schnell aufs Dach. Dort war die Stille noch größer und die Dunkelheit noch finsterer.“ (Wunderzeit 2001, S. 9)
„Autos, den Straßenbahnen, den Kühlschränken und so weiter. Offenbar funktionierten sie alle nicht in unserem sozialistischen Land. Und wenn sie funktionierten, wurden sie ausgeführt.“ (Wunderzeit 2001, S. 17)
„Siehst du, Menschen so eng beieinander zu halten, wie die Kommunisten es tun, ist keine einfache Angelegenheit. Da entstehen die seltsamsten Ideen. Manchmal frage ich mich, ob die Bronx besser ist als unser Viertel. Dort zumindest weißt du, dass keiner was von dir will, und jeder ist überrascht, wenn du was von ihm willst. Niemand kennt seinen Nachbarn, und wenn man ihn kennt, kann es ganz böse enden.” (Wunderzeit 2001, S. 157)
„An der einen Seite das Opernhaus, wo Mutter Geige spielte, und an der anderen die Kathedrale. Ich überquerte den Platz und ging in den Zentralpark hinein. Es blieb genug Zeit, bis ich Ariana treffen würde.” (Wunderzeit 2001, S. 87)
Venedig
„Wir hatten Läden erwartet, auf deren Regalen Lippenstifte und Kaugummis lagerten. Die brachten Rückkehrer immer mit, wenn sie zu Besuch kamen.“ (S. 32); „In Venedig gab es keine Straßen und keine richtigen Gehsteige. Bei uns zu Hause saßen Zigeunerinnen am Straßenrand und gaben kleinen Kindern die Brust. An ihren Fußsohlen klebte Staub, denn Zigeuner gehen barfuß. »Ihr Wohnzimmer ist die Straße“ (Wunderzeit 2001, S. 32)
„In Venedig gab es hingegen Wasser und Brücken im Überfluss und schöne Häuser, die nannten die Italiener palazzi.“ (Wunderzeit 2001, S. 32)
Rom
„In Rom gab es in der Dämmerung viele Farben.“ (Wunderzeit 2001, S. 34)
„Im Eingang der pensione war es angenehm kühl. Die Haustür war ein richtiges Portal, hoch und schwer, ich musste mich mit meinem ganzen Gewicht dagegenstemmen. Jenseits der Straße war eine hohe Steinmauer, obendrauf Palmenspitzen.“ (Wunderzeit 2001, S. 36)
Brooklyn
„Ich hatte noch nie so etwas Großes gesehen. Nicht einmal die Fontana di Trevi in Rom oder zu Hause das Vaterlandsmonument. Die Freiheitsstatue war aus Frankreich gekommen.“ (Wunderzeit 2001, S. 83)
Banat-Sanatorium
„Das Gebäude war sehr groß, mit mehreren Stockwerken, und es lag am Waldrand. Der Fahrer hupte, und ein Mann eilte herbei und öffnete das Haupttor. Ein hoher Zaun aus Eisenstäben trennte die Straße vom Sanatoriumsgelände. Dahinter lagen Gemüse- und Blumenbeete. Am linken Hausflügel vorbei ging die Straße in die Berge hinauf, rechts kam der Wald nah ans Haus heran.“ (Wunderzeit 2001, S. 126)