Handlungszeit/ Time of action: Višegrad und Veletovo, Deutschland

Projizierter Ort/ Projected place: kein

Route: Osten – Westen

Handlungszeit/ Time of action: 1991 – 1999

Marker: Split, Sarajevo, Romanija, Triest, Osijek

Veletovo – Dorf der Ur-Großeltern

„Ur-Oma und Ur-Opa sind nicht hier, weil ihr Sohn zu ihnen kommt, nach Veletovo, weil er in dem Dorf begraben werden soll, wo er auch geboren wurde. (…) Ur-Oma und Ur-Opa unter ihrem Pflaumengarten in Veletovo.“ (S. 13)

„Ur-Opa hätte vor langer Zeit in nur einer Nacht den größten Stall Jugoslawiens ausgemistet (…) damals gab es noch kein Jugoslawien, (…) es waren die königlichen Ställe nach dem Ersten Weltkrieg.“ (S. 28)

„die Lanschaft anschauen: die Sträucher reifer Brombeeren, den Bach unter den Tannen, Farne in der Farbe der leuchtend roten Dauerwelle meiner Mutter.“ (S. 33)

„Früher Morgen, an den Gräsern glänzte der Tau, die Vögel trillerten und die Verwandten, deren Yugos niemals stehen blieben, überholten uns hupend.“ (S. 35)

vor Jahren, der erste Fernseher im Dorf, schwarz-weiß, zwei Programme. (…) Das neue Klo wurde mit einem Fest eingeweiht. Im Ausland denken die Leute, dass wir hier immer feiern.“ (S. 37)

„es gibt bei ihnen keine Straße, auf der irgendetwas fahren könnte.“ (S. 38)

Wohnzimmer

das Bücherregal mit Marx, Lenin, Kardelj, links unten das „Kapital“ (S. 15)

Adria – Igalo

Bilder „aus dem Adria-Urlaub“ (S. 17)

„Mit meinen Eltern fahre ich jeden Sommer an die Adria, immer nach Igalo“ (S. 85)

„Mit meinen Eltern fahre ich jeden Sommer nach Igalo. Die ganze Fabrik, in der mein Vater arbeitet, fährt nach Igalo. Das Syndikat verschiebt für einen Monat die Leute aus einer kleinen Stadt ohne Meer in eine Stadt mit Meer. In Igalo gibt es eine Künstlerkolonie.“ (S. 171)

Drina

Opa (ehemaliger Vorsitzender des Višegrader Lokalkomitees) ist in der „Drina ertrunken“ (S. 17); der Opa „trauerte um seinen Fluss und seine Erde. Der kniete sich hin, kratzte in dieser seiner Erde, bis ihm die Fingernägel brachen und Blut kam. Der streichelte Gras und roch daran und weinte in die Grasbüschel wie das kleinste Kind (…) Wie liebte dein Trauriger seinen Fluss!“ (S. 19)

„Drina, welch vernachlässigter Fluss, welch vergessenes Schön! heulte er“ (S. 19)

„Wie liebte dein Traurigen diesen grausamen Fluss, wie liebte er die Weiden und den Fisch und den Schlamm!“ (S. 21)

„Die Drina ist reißend, schnell: die breite, die gefährliche Drina – ein junger Fluss.“ (S. 23)

„Heute wälzt sie sich träge dahin, mehr See als Fluss, das Wasser ist vom Staudamm entmutigt worde – die langsame Drina, an den Rändern wie ausgefranst von Treibholz und Schmutz. (…) Die Oberfläche ust kühl und glatt, so ist heute der damals wilde, ungezähmte Fluss.“ (S. 23)

„der lausbübische Fluss, noch ohne den Staudamm.“ (S. 24)

„Er schlug die Fensterscheiben ein, warf bis zum letzten Stift alles einzeln von der Brücke in die Drina. Auch Schubladen, Wandregale, Zeitungsständer.“ (S. 65)

Brücke über der Drina

„die Brücke sieht aus wie immer, nur dass Gerüste ihre elf Bögen umzäunen.“ (S. 23)

Neretva

„Die Neretva ist nur fast so grün wie die Drina, und ihre schönste Brücke in Mostar hat zehn Bögen weniher als unsere Brücke.“ (S. 77)

Višegrad

„nun kamen ja schon lange keine (Züge) durch unsere Stadt.“ (S. 18)

„seit sie die Eisenbahn abgeschafft hatten, seit kein Zug mehr durch die Stadt fuhr (…) er verlor seine Arbeit. (…) Er wurde in Rente geschickt und versoff sie Tag um Tag.“ (S. 19)

„das ist das Herrliche bei uns in Višegrad, uns gehen die Wege und die Geschichten niemals aus.“ (S. 30)

„Diese ersten warmen Wochen des Jahres sind die Zeit der Auszüge. Ein großer Aufbruch ist ausgebrochen, ansteckend wir eine Frühlingsgrippe. Ganze Familien sind befallen, man erkennt kaum die Autos unter so viel Gepäck. Die Leute verlassen die Stadt so übereiltso beharrlich verreisen sie.“ (S. 82)

„Die Straße bringt sie nach Titovo Užice, vielleicht sogar nach Belgrad oder nach Bulgarien (…) Aber etwas sagt mir, das will gerade niemand hin.“ (S. 82)

„stürmten Soldaten das Hochhaus“ (S. 103)

„Alle fieberten mit unseren Truppen und der Stellung unserer Truppen (…) Erst als die heisere Radiostimme den Namen einer Stadt sagte, die genauso hieß, wie unsere Stadt, wussten alle etwas – die heisere Stimme sprach «Višegrad» wie etwas aus, wovor man in einem Versteck sicher war.“ (S. 107)

„Die ersten Straßen ziepten die Straße hinauf. Ihre Ketten hinterließen weiße Ritzen im Asphalt und machten, wo sie über Bürgerstrige fuhren, Beton zu Kies.“ (S. 108)

„Hier im Keller, schöpfen die Mütter Erbsen für uns und die Soldaten.“ (S. 110)

„Im Treppenhaus wieder ein Schuss.“ (S. 111)

„Alle zwei Minuten erlischt das Licht im Treppenhaus. Für Sekunden verhüllt die Dunkelheit das Warten.“ (S. 115)

„Unter Vordächern Soldaten, hinter Sandsäcken Soldatan, in Kneipen Soldaten.“ (S. 122)

das Atelier des Vaters

„Außer den Leinwänden und den Farben lagern dort Fässer mit Sauerkraut, Kisten mit alter Kleidung und das Kinderbett, dem ich entwachsen bin. Ganze Wochenenden verbringt Vater in seinem Atelier. Ein Maler darf nie mit dem zufrieden sein, was er sieht.“ (S. 24)

Deutschland

„Seit Jahren stampft Onkel Bora in Deutschland Teer mit einer Dampfwalze zu schnellsten Autobahnen der Welt, und Tante Taifun kellnert in einer Raststätte.“ (S. 35)

Osijek

Im Dorf sonnten sich die Italiener um den Brunnen.“ (S. 97)

Essen – Deutschland

„In unserem Stadtteil gibt es fast nur Türken. (…) Fünf oder sechs andere Familien aus Bosnien wohnen mit uns im Haus“ (S. 135)

„in Essen nieselt es immer.“ (S. 148)

„Das schlechteste Deutschland sei für ihn eh besser, weil es ihn bezahlt und weil es da hundert gleiche Häuser in einer Reihe gibt, sodass niemand neidisch ist, und eine übersichtliche Verkehrsführung gibt es auch.“ (S. 174)

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