Handlungsort/ Setting: Berlin, Hamburg
Projizierter Ort/ Projected place: Bukarest
Route: keine
Handlungszeit/ Time of action: 1990
Marker: Giurgiu, Stalingrad, Siebenbürgen, Snagov
Rumänien
„jenem verrufenen Land, für das wir uns in den Augen der Fremden andauernd zu schämen haben.“ (S. 13) „das andere Leben. Jetzt, nach all den Jahren in Deutschland, fällt mir zum erstenmal auf, wie viel ich aus meinem Vorleben vergessen habe“ (S. 45), Wunsch aus dem „Gefängnis Rumänien“ herauszukommen (S. 73)
Berlin
„Berlin hatten wir gewählt, weil wir untertauchen wollten. Wir wollten keine Kontakte von früher. Weil ich ja aussteigen musste. Meine Spur sollte sich verlieren.“ (S. 79)
„Ich hatte nie Angst in Berlin. Ich hatte die Geschäftigkeit des Schläfers.“ (S. 80)
„banale Tage“, „mit oder ohne Grund laufe ich durch die Stadt“ (S. 27)
Bukarest – Studentenheim
„wir liegen im Bett und trinken schlechten Rotwein, ein Nebenprodukt der Chemieindustrie. (..) Gedichte, Wein, Sex. Jugendkitsch in einer kommunistischen Diktatur. Um uns das Schweigen und die Verzweifelung, und wir, zwei junge Menschen, die sich ratlos anfassen, mit Worten und Blicken. “ (S. 132)
Bukarest – Militari
„Die Männer in diesen sogenannten Stadtteilen hatten stets die Frage nach dem Ficken auf den Lippen. In den Kinos wurde bei jeder Bettszene Beifall geklatscht, und es ertönten anfeuernde Rufe: »Fute-o ma!« »Fick sie.« Es war die fehlende Urbanitat“ (S. 46) – „Stadtbewohner der ersten Generation. Arbeiter der ersten Generation. Intellektuelle der ersten Generation.“ (S. 47)
Bukarest – Schriftstellerrestaurant
„Das Schriftsteller-Restaurant war stets überfüllt. Es war eines der wenigen Lokale, in denen es in je ner Zeit regelmaßig zu essen und zu trinken gab (…)Ich sprach von Habsburg, berief mich auf Habsburg, dieses rote Tuch fur die Nationalisten jeder Couleur. Ich sprach von meinen habsburgischen Wurzeln, von der habsburgischen Identitat Siebenburgens und des Banats. Ich sprach davon, als ware dieses Habsburg mein letzter Halt angesichts der Bukarester Verkommenheit, der ClanDiktatur und des Personenkults.“ (S. 136)
Berlin-Wilmersdorfer Straße
„Die Russen sind wieder da. Spielen Gitarre im U-Bahnhof und in der Fußgängerzone an der Wilmersdorfer Straße. Kaum sind sie mit Panzer und Schmuggelware abgerückt, stehen sie schon wieder da, diesmal mit Instrument und Hut.“ (S. 97)
Berlin – Tempelhof
„Vom Tempelhof erwartet man mit Recht nichts. Seit Speers Zeiten ist dort nichts Aufregendes mehr passiert. Es ist schlicht ein Wohngebiet. Blockade-Land pur.“ (S.90)
Berlin – Neukölln
„Kleine-Leute-Welt. Hausmeister, besoffen“ (S. 20)
„Mir gefiel die alte Wohnung in Neukölln, nur Lotte gefiel sie nicht. Wir sind nicht ausgewandert, um in Deutschland in einem Slum zu leben“ (S. 83)
Frankfurt
„In Frankfurt gibt es zwar alles, aber auf engstem Raum. Alles, was du machen möchtest, kannst du machen, aber auf kleinstem Territorium. Frankfurt ist ein Dorf für Gleichgesinnte. (…) So besteht Frankfurt aus einer Menge Dörfern, Hirndörfern, und du denkst plötzlich, es ist eine Stadt. Ist es aber nicht. Es ist nur eine Bank, eine Bank mit vielen Dörfern drin. Du siehst überall das Geld, aber du hast keins.“ (S. 152)