Handlungsort/ Setting: Warrosch

Projizierter Ort/ Projected place: keiner

Route: keine

Handlungszeit: 1704

Marker: keine

Warrosch

„Es war die Zeit der Finsternis, es war die Zeit der Wolken. Nur in den Nächten öffnete sich der Himmel wie ein schwerer Samtvorhang und ließ den Monda uf die gefrorene Landschaft hinabschauen. Man erzählte sich, wer in diesen Stunden nackt im Mondlicht badete, dem würden Klauen wachsen und Zähne, scharf wie Messer. Natürlich trafen sich die mutigsten Kinder heimlich am Ufer des Flusses und jagten einander im Mondschein, aber ihre Zähne blieben, wie sie waren.” (S. 6)

„Es gab auch Männer, die sich in der Nacht aus dem Dorf schlichen. Sie standen mit ausgebreiteten Armen auf dem Eis und hofften, dass der Mond ihnen die Kraft und die Schlauheit eines Wolfes verlieh. Sie hatten es dringend nötig. Das Dorf hungerte seit Anbeginn des Winters.” (S. 7)

“Der Aberglaube in Warrosch war groß. Es wurde erzählt, sollte das Feuer ausgehen, würde auch die Flamme im Körper der Frau verlöschen.“ (S. 8)          „Und so stieg der Mann mit schweren Beinen die Stufen nach oben und bereute es, dass sie in diesem abgelegenen Dorf gestrandet waren.” (S. 9)

„In den folgenden zwei Jahren erkundete Vida die Gegend um Warrosch herum, streifte durch den Wald oder verschwand in den Tiefen des Tals. Sie schlich durch die Maisfelder, ohne eines der Blätter zu berühren, und lief mit den Schafen um die Wette.“ (S. 26)

„Wurde sie von einem Gewitter erwischt, hockte sie sich unter einen Felsvorsprung oder kroch zwischen die dichten Äste einer Tanne, die sie dann wie Flügel um sich herum schloss. Manchmal schlief sie bei den Pferden im Stall, doch ihr liebster Platz war die Küche im Haus ihres Vaters.“ (S. 27)

„Schon nach einem Tag verwandelte sich der fruchtbare Boden unter ihren Stiefeln und wurde karg und rissig. Hier hatte der Sommer mit glühender Hand gewütet, es hatte vereinzelte Brände gegeben und ein Teil der Waldregion war in Asche verwandelt worden.“ (S. 65)

die Hütte

 „ein alter Mann bewohnte im Herzen eines Waldes eine Hütte, die er selbst erbaut hatte. Seit mehr als fünfzig Jahren wurde er das Gefühl nicht los, müde zu sein. Als wäre die Hütte ein Ort, der ihm die Kraft aussaugte. Als würde die Hütte ihm alle Gedanken rauben und seine Erinnerung blank zurücklassen (…) Mit neunzehn Jahren verließ er den Hof seiner Eltern und verschwand in den Tiefen des Waldes. Er konnte nicht erklären, was ihn dazu trieb. Er baute sich eine Hütte mit Schlafraum und Küche, nach mehr verlangte ihm nicht.“ (S. 18)

das Haus der Tanten

„Die Tanten lebten in einem Haus, das in der Höhe von zweihundert Metern in das Gebirge gehauen war. Die Wände und die Decke waren blanker Fels, der im Sommer kühlte und im Winter die Wärme des Kaminfeuers speicherte. Den Boden hatte Solomon mit Kiefernholz ausgelegt und so bearbeitet, dass er das Licht auffing und selbst im Dunkeln zu glühen schien. Vor dem Haus befand sich ein Felsplateau, vor dem aus man das Dorf überblicken konnte, vom Dorf aus sah man das Haus nur mit Mühe, so gut was es im Gebirge verborgen.“ (S. 34)

das Gebirge

„Auf ihrer Rückreise blieb Vida am Ausläufer des Gebirges stehen und folgte dem Rauschen, das sie auf dem Hinweg gehört hatte. Die Leichtigkeit war von ihr gewichen. Die Hoffnung, ihre Mutter zu finden, war so groß gewesen, dass sie sich jetzt verloren und leer fühlte. Wie eine Tote, die nicht weiß, dass sie tot ist, dachte Vida, während sie sich durch die Felsspalte quetschte.“ (S. 73)

 

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