Handlungsort/ Setting: Triebswetter

Projizierter Ort/ Projected place: keiner

Route: keine

Handlungszeit/ Time of action: 1930 – 2000

Marker: Lothringen, Amerika

Banat-Triebswetter – Vor- und Zwischenkriegszeit

„in einiger Entfernung am Dorf vorbeiführte und Temeschwar mit der ungarischen Grenze verband“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 7)

„Wind wurde stärker und schüttelte heftig die wenigen Maulbeerbäume und Pappeln, welche die Straße säumten. Ganze Schwärme von Krähen kreisten lärmend und unruhig hoch über ihm, dann flogen sie auf die Stadt zu.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 7)

„Außerhalb von Triebswetter, auf einem ausgedörrten, dornigen Hügel gemieden, lebten Zigeuner, manche seit Menschengedenken, andere wiederum kamen und gingen, wie die Wanderlust sie gerade packte (…) Sie durften die Dorfgrenze nicht überqueren, außer sie hüteten Tiere oder boten an der Hauptgasse oder auf dem Wochenmarkt ihre Dienste an.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 43-44)

Haus des Zigeuners in Triebswetter

„der Raum war nicht ganz dunkel, Licht fiel nur durch ein schmales Fenster hinein, außerdem war ein kleiner Ausschnitt bei der Tür ausgeleuchtet, in dem der Staub und bläuliche Rauchschwaden herumschwebten, ein Tanz in Zeitlupe.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 45)

„ Den ganzen Weg bis zum Zigeunerhügel würde ich den Sack eher hinter mir schleppen, als ihn zu tragen. Die Spur zeichnete sich jedes Mal breit und klar im Staub ab, von der Ecke unseres Hofes, wo ich den Sack abstellte, bis zum Trampelpfad, der hinauf zu Ramina führte. Sie führte vorbei an der Kirche und der Kneipe, an den Stallungen und dem Getreidespeicher, die inzwischen uns gehörten, an der Abzweigung zur Mühle und an der Schule. Später ließ die Spur das Dorf hinter sich und kreuzte die Dorfgrenze, jene imaginäre Linie, die niemand gesehen hatte und doch jeder kannte. Nach einigen Hundert Metern hörte sie plötzlich auf, als ob der Verursacher sich in Luft aufgelöst hätte. Man musste an der Stelle über einen mit Unkraut und Feldblumen überwachsenen Graben springen, um auf der anderen Seite auf den kaum sichtbaren Pfad zu stoßen.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 133)

„Unser Haus stand ein wenig abseits, sodass Sarelo zuerst eine Zeit lang den Schienen der Elektrischen folgte, dann in eine kurze, schlecht beleuchtete Straße einbog, an deren Ende er aufs freie Feld fuhr. Von dort aus hatte er nur noch wenige Hundert Meter bis zu uns, vorbei an der fensterlosen Rückseite der Häuser. Die Häuser kehrten dem Feld den Rücken zu, eine letzte Bastion der Stadt gegen das unwirtliche Umland voller Gestrüpp. Wie Triebswetter stand auch Temeschwar offen für jeden, der es erobern wollte. Die Türken, die Habsburger und demnächst die Russen. Wenn Sarelo dann vor unserem Tor im Josefstadt-Viertel anhielt, eilten wir hinaus, um den Karren in den Hof zu ziehen. Der Neid der Nachbarn war uns sicher, man kannte die Obertins nach wie vor, und Vater galt als unangenehmer, aber erfolgreicher Geschäftsmann.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 95)

Triebswetter – Friedhof

„Es gab die alten Toten, die schon zu Zeiten von Frederick Obertin gestorben waren, an Cholera, Hunger und an den Überschwemmungen. Deutsche und französische Lothringer, Elsässer, Luxemburger, Pfälzer, Badener, später auch Rumänen und Ungarn. Völlig den Launen der Natur ausgeliefert und ohne Unterstützung der Provinzregierung in Temeschwar, wurden sie zu Dutzenden hinweggerafft,“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 160)

Triebswetter im Kommunismus

„Die wenigen Leute auf den Straßen drehten sich nicht um, sie erkannten mich nicht und ich sie ebenso wenig. Es waren rumänische Siedler, die nun in den Häusern der Deportierten wohnten. Das war ihrer Kleidung und ihren Gesichtern deutlich anzusehen. Kein Deutscher hätte Sonnenblumenkerne zwischen den Zähnen geknackt und dabei so ruhig, fast entrückt, auf die Kuh gestarrt, die an den Zaun gebunden war und friedlich graste. Ich näherte mich an einen Alten, der auf einer Bank saß. Er hatte einen Schafsmantel über die Schulter geworfen und den Gehstock auf die Oberschenkel gelegt.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 345)

Temewar – Zwischenkriegszeit

„Großvater und ich waren seit Langem von Vater nach Temeschwar verbannt worden, und die Eltern kamen jedes Jahr im August, nach der Erntezeit, für wenige Wochen hinzu.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 94)

„Unser Haus stand ein wenig abseits, sodass Sarelo zuerst eine Zeit lang den Schienen der Elektrischen folgte, dann in eine kurze, schlecht beleuchtete Straße einbog, an deren Ende er aufs freie Feld fuhr. Von dort aus hatte er nur noch wenige Hundert Meter bis zu uns, vorbei an der fensterlosen Rückseite der Häuser. Die Häuser kehrten dem Feld den Rücken zu, eine letzte Bastion der Stadt gegen das unwirtliche Umland voller Gestrüpp. Wie Triebswetter stand auch Temeschwar offen für jeden, der es erobern wollte. Die Türken, die Habsburger und demnächst die Russen. Wenn Sarelo dann vor unserem Tor im Josefstadt-Viertel anhielt, eilten wir hinaus, um den Karren in den Hof zu ziehen. Der Neid der Nachbarn war uns sicher, man kannte die Obertins nach wie vor, und Vater galt als unangenehmer, aber erfolgreicher Geschäftsmann.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 95)

„Das Kruzifix brauchte nicht länger die Wand mit Hitler zu teilen. Bevor Vater und Sarelo alle vier Ecken des Lakens zusammenfügten und verknoteten, holte Vater von irgendwoher ein Foto Stalins und rahmte es anstelle von Hitler ein. Dann stellte er es auf die Konsole, angelehnt an die Wand. Provisorisch. Dort, wo früher das Radio Marke Eigenbau gestanden hatte, bevor wir es wie alle anderen Deutschen hatten abgeben müssen.
Vater war damit noch nicht zufrieden. Er sammelte alle Uhren ein, die wir im Haus hatten, und stellte sie auf den Stubentisch. «Es heißt, dass die Russen Uhren lieben. So brauchen sie nicht mehr zu suchen, wenn sie hierherkommen.» Er drehte sich zu uns um: «Ab jetzt sind wir Rumänen. Verstanden?» Wir nickten. Das war die erste und schnellste Verwandlung unter den vielen meines Lebens“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 100)

 „Es gab Direktorsfrauen, die nachmittags den Kaffee im Café Wien einnahmen und sich dann den restlichen Tag langweilten. Wohlriechende Künstlerinnen, die gerade aus Paris zurückgekehrt waren und sich angeregt über die Vorteile der Großstadt gegenüber der Provinz unterhielten. Dazu jede Menge Gouvernanten und einfache Kindermädchen, die oft kräftige, vor Gesundheit strotzende Bauerntöchter waren, die für ein wenig Lohn und ein Bett in der Küche bei einer bemittelten Familie arbeiteten.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 148)

„In seiner (Großvater) bäuerlich anmutenden Kleidung wirkte er unter all der feinen Herrschaft in der Elektrischen, den Beamten, Offizieren und Handelsreisenden, wie ein Eindringling. Manchmal standen da auch ärmlich gekleidete junge Frauen, die um nichts in der Welt auf einem der freien Sitze Platz genommen hätten.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 213)

„Jeden Samstag begleitete ich Großvater auf den Wochenmarkt, wo er Geflügel, Ferkel, Kälber und manchmal sogar – aber widerwillig – ein Fohlen verkaufte. (…) Es gab fliegende Händler aller Art, Schuster und Hutmacher, Tischler und Wagner, Gaukler und Feuerschlucker, Herumstreuner und Neugierige. Eine Frau verkaufte Lebkuchen und Biskotten, die sie in Zeitungspapier einwickelte. Ihr Mann, der vor dem Pferdewagen herging, kündigte sie mit Trommelschlägen an. Der Weber bot Wollstoffe und Pullover an, der Gerber Leder für die Schuhsohlen.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 185)

Temeswar während des Krieges

“alles ist zu, man kriegt wenig Nahrung, Diebe und Bettler: „Sie waren die Besatzer, die wahren Herren der Stadt. Sich ihnen zu entziehen hieß, nicht mehr aus dem Haus zu gehen.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 230)

Temeswar im Kommunismus

„Das Geschäft der Frau Österreicher, vor dem ich Katica wiedergetroffen hatte, war immer noch zugenagelt, und über dem Schaufenster war zu lesen: Die sündhaft gute Bäckerei.
Im Laden des Friseurs an der Ecke hatte sich inzwischen ein Altwarenhändler niedergelassen, und anstelle der Schneiderei der Madame Liebmann erblickte ich nun einen alten, krummen Tischler. Mosis Kino war geschlossen worden, doch die Plakate der letzten Vorstellung vom Frühling 1949 klebten noch in Fetzen an der Wand. Die Werkstatt Berger, die die schönsten Firmenschilder hergestellt hatte, gab es noch, aber nun war sie eine Kooperative geworden.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 334)

„Die deutsche Schule war ein Lagerraum für Abfall aller Art geworden, durch den man ungehindert spazieren konnte. Die Krater jener Bomben, die uns zuerst in den Bunker und gleich danach zurück nach Triebswetter getrieben hatten, waren noch deutlich zu sehen. Sie waren mit dem Schutt der zerstörten Häuser aufgefüllt worden. Dort, wo einst das Büro des Direktors gewesen war, der mich dank der väterlichen Geschenke – jedes Jahr ein Schwein – unter seinen Schutz gestellt hatte, klaffte jetzt ein Loch im Dach. In den Schulzimmern standen Bänke und Tische noch, als ob sie auf eine neue Generation warteten. An einer der Tafeln wurde immer noch Weihnachten 1945 gefeiert.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 335)

Route nach Siberien-Viehwaggon

„Ich tauchte ein in die Masse der Leiber, wir waren jetzt alle gleich, unterschieden uns nur durch den Platz, den wir ergattern konnten. Manche hockten bei der Tür oder neben einem Spalt, um besser atmen und hinaussehen zu können. Andere hatten sich lieber in eine wärmere, windgeschützte Ecke geflüchtet.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 278)

„Wir fuhren durch eine kahle, winterliche Landschaft, in der die verschneiten Dächer der Bauernhäuser wie Hüte aussahen.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 280)

ein Dorf – 80 km entfernt von Temeswar

„Das Dorf war durch den Fluss geteilt, den ich überquert hatte, erklärte mir der Pope, der Pamfilie hieß. Wäre ich dem Fluss gefolgt, so wäre ich um den Berg gelaufen – sie nannten den Hügel Berg, weil er weit und breit die höchste Erhebung war – und hätte bald ins Dorf gefunden. Das Dorf sei keine achtzig Kilometer von Temeschwar entfernt, ließ er mich wissen. Das überraschte mich am meisten, denn es bedeutete, dass der Zug in vier Tagen nicht einmal das Banat durchquert hatte.“ (Jacob beschließt zu lieben 2010, S. 297)

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