Handlungsort/ Setting: Banat, Budapest, Deutschland
Projizierter Ort/ Projected place: keiner
Route: Westen – Osten
Handlungszeit/ Time of action: 2000 Jahre
Marker: Amerika, Israel, Bukarest
Arad
“Der Hauptgrund, weswegen ich es so lange Zeit vermieden hatte, nach Rumänien zurückzureisen, (…) war der Umstand, dass ich in meiner eigenen Stadt nicht als Westler aufkreuzen wollte. Aus dem Westen zu kommen spielte eine so große Rolle, dass es sogar Freundschaft in den Hintergrund drängte.” (S. 30)
Arad – Bohuș Palast
“eine verlorene Stille war das, mit unzähligen Sonntagen, an denen Regen gegen die renovierungsbedürftigen Fassaden und Fenster des Bohus-Palases schlug. Leise und monoton klopften die Tropfen an unsere Fensterscheiben (…) Heute erscheint mit jene Zeit in Rumänien wie ein Hohlraum in der eigenen Identität, aber auch in der Geschichte des Landes.” (S. 6);
” in dem feuchten Keller eines verstaatlichten rumänischen Palastes der k. u. k. Zeit hatte doch seinen geheimnisvollen Klang” (S. 6);
“Wir zogen wie Erwachsene tief auf Lunge, jene Welt einatemnd, die wir ablehnten und die wir nur aus der Pose des Verbotenen heraus ertragen konnten.” (S. 7),
“altes, geschundenes Parkett” (S. 11)
Rumänien
“Bedürfnis, aus der inneren Isolation hinter dem Eisernen Vorhang auszubrechen, alles hinter sich zu lassen und zu vergessen” (S. 9); “Zigeuner am Straßenrand, Kürbiskerne verkaufen” (S. 12)
“Ich reiste an den Klippen einer vergangenen Zeit entlang, deren Verlust mir während der Rückreise wie befürchtet nur bewusster und schmerzhafter wurde.” (S. 33); “streunende Hunde, manche Orte waren mir selbst neu und unbekannt und allein dadruch “geadelt”, dass meine Eltern sie erwähnten, dass sie irgendwie zu ihrer Geschichte stehen und dadurch auch zu meiner – das nennt man wahrscheinlich Identität” (S. 39)
Arad – Bushaltestelle
“So war jener vorerst letzte Morgen in Arad, an dem ich, wie schon so viele vor mir, von iregendwo nach irgendwo mit der Gewissheit ging, dass es kein wirkliches Zurück geben würde. Schutzlos zwischen Schlaf und dem anbrechenden Morgengrauen stand ich an der Kreuzung, (…) den unnachgiebige Takt der menschenleeren Straße vor mir.” (S. 19)
Arad – Hotel Astoria
“In der Hotelhalle hatte der Fortschritt in einem merkwürdigen, schmierigen Blauton tatsächlich eingecheckt. Wände, Tische, Stühle, Tischdecken, Arbeitskleidung des Personals, alles trug eine Schattierung der Farbe Blau.” (S. 26)
Moneasa
Pionierlager “Der Geist des Landes und des Systems wehte durch das ganze Pionierlager: Perspektivlosigkeit, Lustlosigkeit und Depression, Arbeitsverweigerung, Desinteresse, Abstumpfen der Grfühle” (S. 55)
Neu – Arad
“nicht mehr zu generala 1, sondern in die Vorstadt nach Neu-Arad auf das dortige deutschsprachige Gymnasium. Das war so, als würde man aus Manhatten in die Bronx versetzt.” (S. 91)
Deutschland
“Lawine neuer Eindrücke und Bilder, deren Durcheinander ich lange einfach so hingenommen hatte. Das Bedürfnis, sie in mir irgendwie zu ordene, verlor sich mit der Faszination an all dem Neuen.” (S. 19);
“vieles von all dem Neuen, was sich mir darbot, doch nur so etwas wie Lärm war: Es war nicht so bedeutsam, wie es schien, es war nur ein anderer Alltag.” (S. 19)
Budapest
“Die Häuserfassaden Budapests spiegelten sich in der Donau, und ungeduldig trieb ich mich in der Stadt herum, voller Erwartung auf das, was mir in Arad bevorstehen würde. Immer wieder begab ich mich auf die üblichen Touristenpfade zwischen Buda und Perst und überquerte mehrmals die Lanchid oder die Erszebet Hid.” (S. 22)
Budapest – Café Szerbo
“wo sich der Westen und der Balkan zu einem Stelldichein bei einer Tasse Mokka zusammenfanden. (…) Die vielsprachige Geräuschkulisse zog durch das verrauchte Kaffeehaus” (S. 22)
Budapest – Danubius Hotel Astoria
“so war ich, was den Namen anbetrifft, so gut wie zu Hause. Aus einem der geräumigen Zimmer schaute ich auf die Kossuth Lajos utca, die bis zur Donau fürte.” (S. 23)
Budapest – Keleti
“strömten von überall Menschen in das Bahnhofsgebäude (…) Obstverkäufer boten Kirschen, Pflaumen oder Pfirsiche und Aprikosen an. Neben ihnen standen die Wurstverkäufer zwischen Herz-Salami-Lianen. Auf den Bänken dösten Obdachlose, Prostituierte und Alkoholiker unbeeindruckt von der atemberaubender Geschäftigkeit des Budapester Bahnhofs.” (S. 24)