Handlungsort/ Setting: Temeswar, Frankfurt am Main
Projizierter Ort/ Projected place: das Dorf
Route: Osten – Westen
Handlungszeit/ Time of action: 1980
die Stadt – (Temeswar)
„er trug in den Augen die Dunkelheit der Stadt“ (S. 20)
„In einer Diktatur kann es keine Städte geben, weil alles klein ist, wenn es bewacht wird (…) Man fährt von der einen Stadt in die andere, sagte Georg und man wird von einem Dörfler zu einem anderen Dörfler.“ (S. 52)
„die Häuser wurden kleiner als die Menschen (…) die Brücken kleiner als die Straßenbahnen (…) die Bäume kleiner als die Gesichter (S. 56)
„Ich hatte das Streunen gelernt, ich nahm die Straßen unter die Füße. Ich kannte die Bettler, die Klagestimmen, Bekreuzigungen und Flüche (…) Ich kannte die Irrgewordenen in jedem Stadtteil.“ (S. 46) – der Mann, der auf seine schon längst verstorbene Frau am Brunnen wartet „Er sah die Straße hinauf, an deren Ende das Gefängnis war. (…) Die Straße lief gar nicht hinauf, ihr Ende lag höher als der Platz am Springbrunnen. Aber man sah es so. Oder man sagte nur, daß sie hinausläuft, weil dort das Gefängnis war, und nur Polizisten und Soldaten dort gingen.“ (S. 47)
„Es lag ein Heimweg überall und unbedachte Eile. Die wenigen Gesichter auf der Straße hatten keinen Rand. Und ich sah in ihnen ein Stück Wolke hängen, wenn sie auf mich zukamen.“ (S. 57)
„Ich gehe ohne Ziel durch die Stadt. Und vor mir geht jemand ohne Ziel. Wenn der gemeinsame Weg länger ist, stimmen sich unsere Schritte aufeinander ab.“ (S. 98)
Zimmer – Wohnheim – “das Viereck”
„Ein kleines Viereck als Zimmer (camera de camin), ein Fenster, sechs Mädchen, sechs Betten, unter jedem ein Koffer. Neben der Tür ein Schrank in die Wand gebaut, an der Decke über der Tür ein Lautsprecher. Die Arbeiterchöre sangen von der Decke zur Wand, von der Wand auf die Betten, bis die Nacht kam. (….) Das kleine Viereck gab es vierzigmal in jedem Heim. (S. 11)
Temeswar – Straßenbahn
Lola „fuhr oft ohne Ziel.“ (S. 18)
„Ich saß trotz der Sonne im Zimmer an diesem Sommertag, wel ich unter den Menschen draußen so schnell weinen mußte. Weil ich mich in der Straßenbahn in der Mitte des Wagens gestellt hatte, um laut zu schreien. Weil ich aus dem Laden schnell auf die Straße gegangen war, um die Leute nicht kratzen und beißen zu müssen.“ (S. 181)
Temeswar – Kneipe – Bodega
als Ort des Proletariats „Hier war niemand ein Gast, sondern ein Zugelaufener des sinnlosen Nachmittags“ (S. 37-38)
Temeswar – Sommerhaus
„in einem wilden Garten“ , ein „sicherer Platz“ (S. 43)
– im Sommerhaus werden auch die ins Land geschmuggelten Bücher bewahrt, dort träumen sie an „Jeanshosen und Orangen, an weiches Spielzeug für Kinder, hauchdünne Strumpfhosen und richtige Wimperntusche“ (S. 55)
Industriestadt – Edgar
„Alle in dieser Stadt machten Blechschafe und nannten sie Metallurgie. (…) ich sah die dicken Schornsteine, die roten Rauschwaden und Losungen.“ (S. 93)
„Ich sah diese Stadt gespiegelt in Edgars Gesicht, mitten in seinen Augen, am Rand seiner Wangen und neben seinem Mund.“ (S. 95)
Industriestadt – Georg
„in eine Industriestadt, in der alle Holzmelonen machten. Die Holzmelonen hießen holzverbreitende Industrie. (…) Die Stadt lag in den Wäldern. Es fuhren keine Züge und Busse hin. Nur Laster mit einsilbigen Fahrern (…) In der Stadtmitte zischten zwei Sägewerke. Durch die Straßenenden hörte man Äxte hacken im Wald. Und von Zeit zu Zeit hörte man, daß irgendwo hinter der Stadt ein schwerer Baum auf den Boden fiel. Allen Männern in den Straßen fehlen Finger an den Händen, hatte Edgar gesagt, auch den Kindern.“ (S. 97)
Schlachthaus nicht weit von der Stadt (Temeswar)
„Die Busse fahren verkehrt (…) die wollen nicht, daß im Schlachthaus Leute arbeiten, die täglich in die Stadt fahren können. Die wollen nur Dörfler, die das Dorf selten verlassen.“ (S. 100-101)
„diese Gräser sind schön, aber mitten in ihnen, wohin man sieht, öffnen die Fleder, so scheint es, das Maul. Der Himmel zog weg, die Erde klebte an den Schuhen. Die Blätter, Stengel und Wurzeln der Gräser waren rot wie Blut.“ (S. 224)
Securitate – (Temeswar)
„verschachteltes Gebäude“ (S. 103)
Dorf
„unheimlich“ ist das Feld (S. 152)