Handlungsort/ Setting: Wien

Projizierter Ort/ Projected place: keine

Route: keine

Handlungszeit/ Time of action: 2000er Jahre

Marker: Prag, Moldawien, Bulgarien, Polen, Serbien (Herkunftsorte der Ausländer in Wien)

Novisad Jugoslawien

„Über Miro wußte man zu seinen Lebzeiten nicht viel. Man wußte nurm daß er in Jugoslawien geboren war. Man kannte aber weder seinen Geburtsort noch seine Eltern.“ (S. 8)

„In Wirklichkeit hette ihn seine Mutter im Gefängnis von Novisad empfangen. (…) Sie wurde vorzeitig entlassen (…) Man ließ sie in die freie Welt hinaus (…) Drei Jahre später wurde sie in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. (…) So wuchs Miro auf, ohne ein Zuhause zu kennen.“ (S. 8)

Wien

„Jahre später war Miro als Gastarbeiter nach Wien gekommen.“ (S. 10)

„Der 30.12.2001 war ein klarer und kalter Tag. Wien hatte endlich wieder eine Sonne und einen Himmel über sich. Die Sonne wärmte nicht, und der Himmel war blaß, als ob der frostige Wind die schöne Farbe abgerieben hätte.“ (S. 13)

„Gewöhnlich waren es viele, die in der Zeit von Weihnachten bis Silvester den Gedanken an einen erlösenden Tod durch die feierlich dekorierten Wiener Straßen mit sich schleppten.“ (S. 13)

„Am liebsten wäre Iskern an einem anderen Tag, in einer anderen Stadt, in einem großen Bett und neben einer schönen Frau aufgewacht. Statt dessen wachte er neben einer Fliesenwand, in einem Klo und in derselben Stadt auf, und es war der 30.12.2001. Die Fliesen waren nicht schön, das Klo war klein, und die Stadt hieß Wien. Wien ist eine Stadt, in deren Toiletten viel geschnarcht und viel geträumt wird. Die Wiener Klos beherbergen Menschen ohne Dach, ohne Familie, ohne Verwandte, ohne Freunde, ohne Geld, ohne Papiere, ohne Hoffnung, ohne Ziel und ohne Heimat. (…) Die Menschen, denen die Klos als Schlafraum dienen, werden immer mehr, die Wiener Klos sind nachts immer öfter besetzt.“ (S. 23)

„Am Morgen des 30.12. krähten keine Hähne in Wien, sondern es knarrten die Klotüren. Aus den Toiletten der Bahnhöfe Wien West, Wien Nord, Wien Süd und Wien Mitte kamen österreichische Staatsbürger dem Tag und dem Staat entgegen. Iskren kam aus der Schottentor-Toilette. Er war kein österreichischer Staatsbürger, aber er war gerade im Begriff einer zu werden. (…) Aber er brauchte einen Paß.“ (S. 23)

„In seiner Arbeitszeit verkaufte Agop Pizzastücke, Getränke und Kebap am Bahnhof Wien Mitte. In seiner Freizeit Zigaretten und Kaviar in ganz Wien. Mit dem, was er in seiner Arbeitszeit verdiente, konnte die Familie in Wien bleiben. Mit dem, was er in seiner Freizeit verdiente, konnte seine Familie in Wien leben.“ (S. 26)

„Iskern war in Wien auf der Straße (…) Und wieder war Iskern in Wien unterwegs.“ (S. 27)

„Lukas, ich nehme an, du bist ein Ausländer. Hast du deine Heimat verlassen, um an diesem dunklen Ort zu landen?“ (S. 33)

„In der Straßenbahn war es warm, aber niemand lächelte. Die Straßenbahn fuhr zum Friedhof (S. 36).“

Prater Wien

Es war 11 Uhr, als er sich vor dem Reisenrad im Prater wiederfand. (…) Der Platz neben dem Riesenrad war leer. Nur auf einer Bank war ein eingenickter Herr zu sehen. Er hatte wahrscheinlich getrunken.“ (S. 15)

„Nur die Spielautomaten leuchteten und zeigten einem den Weg.“ (S. 16)

„Sie sind Ausländer. Sie haben kein Geld. Sie haben keine Arbeit und sie sind verzweifelt. Wahrscheinlich sind sie auch illegal hier.“ (S. 18)

„Iskern brauchte nur spielen zu gehen. (…) Die meisten Spielautomaten befanden sich im Prater. (…) Der Platz war leer. Nur auf einer Bank schlief ein kleiner Mann mit einem Langos (…) Casino Hommerson, Casino Casablanca, Casino Admiral.“ (S. 31)

Friedhof Wien

„Jetzt fahre ich zum Friedhof (…) ich bin nur verzweifelt, sagte sich Svetljo in der Straßenbahn.(…) Älter wurde auch Svetljo, als er den Friedhof betrat (…) Man wurde automatisch älter, wenn man am Friedhof ankam.“ (S. 20)

„Sein Körper schaukelte, seine Nase tropfte, sein Mantel flatterte. Svetljo beschimpfte alle Winde, alle Friedhöfe und alle Polen.“ (S. 21)

„Er konnte sich nicht erinnern jemals einen Engel getroffen zu haben, aber das Gesicht von diesem kam ihm bekannt vor. Er war überzeugt davon, ihm schon einaml auf Erden begegnet zu sein. Wo war das? Wo? Aber klar doch. In Prag. 1990 war das. Auch im Dezember. Damals saß er mit Freunden im Kellerlokal des bulgarischen Klubs, aß Moussaka, trank Wein und fühlte sich himmlisch wohl!“ (S. 21)

Agops Wohnung in Wien

„Ein Armenier war Agop, ein Bad und ein Bett hatte Agop. Zehn Tage lang hatte Iskren die Wärme seiner Wohnung, die Speisen seiner Frau, das Lachen seiner Kinder und die Weichheit seines Bettes genossen. Danach mußte er (Iskern) gehen. Zu gefährlich war es Agop.“ (S. 35)

Wien – Station Heiligenstadt

„Iskern (…) saß in einer U-Bahn, Station Heiligenstadt, und schwitzte.“ (S. 28)

„Die Polizei wußte nicht wen sie suchte, denn sie suchte immer noch den italienischen Staatsbürger Vito Berti, wie Iskern noch vor ein paar Wochen geheißen hatte.“ (S. 29)

Translate »