Handlungsort/ Setting: Dorf W. im Banat
Projizierter Ort/ Projected place: keiner
Route: Westen- Osten–Westen
Handlungszeit/ Time of action: 1984
Marker: die Sowjetunion, Bărăgan
Das Dorf W.
“ein Dorf in der Banater Heide, gerade so groß, um von einem Wanderer nicht übersehen zu werden. Mit noch zwei anderen Dörfern gehört W. zur Gemeinde L. In Zukunft soll sie zu einer Stadt zusammenwachsen. Im Jahre 2050, bis dahin ist es noch.” (S. 8)
“Johann Wiener, gelernter Schuster, ist seit vier Wochen Totengräber in W.” (S. 10)
“Es hatte den Großteil seines Feldes abgestoßen und kaufte im Herbst in W. und Umgebung das Futter für seine Schweine. Die Geschäfte Johann Wieners hatten die Grenzen des Banats überschritten und reichten bis Wien. (…) Und als dann die Aufträge für die Armee kamen, sah sich Herr Wiener in seiner Annahme bestätigt. Die Welt führte Krieg und er war einer, der daran verdiente.” (S. 13)
“Das Dorf, gerade so groß, um von einem Wanderer, der zufällig hätte vorbeikommen können, nicht übersehen zu werden, bestand noch aus zehn Häusern. Das Haus am Friedhof bewohnte Johann Wiener, das zweite Peter Schirmer, das dritte Nikolaus mit Ehefrau Barbara, das vierte Elisabeth Schwarz, das fünfte Christine Schmidt, das sechste Werner Schrammel mit Ehefrau Anna; das siebente, achte, neunte und zehnte Haus war unbewohnt. Im Laufe des letzten Jahrzehntes waren die Dorfbewohner nach Deutschland ausgewandert. Neusiedler zog es nicht in diesen gottverlassenen Fleck ohne Bahnhof. Da die Gemeinde nicht in der Lage war, die Häuser – der Staat hatte sie den Auswanderern zum eine Bagatelle abgekauft – instand zu halten, hatte man sie zum Abriß freigegeben” (S. 16-17)
„Mehr war nicht übriggeblieben von dem ehemaligen Dorf mit hundertsiebenundachtzig Hausnummern, Schulgebäude, Wirtshaus und Kulturheim mit eingerechnet. Die Kirche, der ehemalige Mittelpunkt des Dorfes, steht gegenwärtig am Dorfrand.“ (S. 16-17)
„Vergeßt nicht, in W. sind wir die Herren” (S. 68)
Der Friedhof
“Wenn schon kein richtiges Dorf. dann wenigstens einen schönen Friedhof! Unter dieser Devise nahmen die Bewohner von W. in den ersten Frühlingstagen die Arbeit auf dem Friedhof in Angriff. Die sieben Landsleute des Johann Wiener harkten die Gräber auf, er versah, zwecks genauer Übersicht, die Grabsteine auf der Rückseite mit fortlaufenden Nummern.” (S. 18)
“Am Abend bei einer Flasche Schnaps, erklärt der Alleinbewohner von W. dem Gast, worin er seine Aufgabe im Dorf sieht. (…) Man ist sich aber darüber einig, daß das Vorhaben Johann Wieners, den Friedhof in W. zu neuer Blüte zu erwecken, nur mit Hilfe aller noch lebenden Söhne des Dorfes zu bewerkstelligen ist.” (S. 22)