Handlungsort/ Setting: Berlin
Projizierter Ort/ Projected place: das Banat
Handlungszeit/ Time of action: 1990er Jahre
Route: Osten – Westen
Marker: keine
das Dorf im Banat
„Ich habe nicht am Hunger gelitten, bin nicht einmal barfuß gelaufen und habe abends in frischer Bettwäsche geschlafen. (…) Doch dann verwandelte sich der Kachelofen neben dem Bett in eine Wasserburg – die von wilden Reben bedeckte am Dorfrand lag. (…) Ich habe bis heute nicht verstanden, wie der Glaube die Angst beruhigen kann“ (S. 7)
„Die Wasserburg beherrscht das ganze Land, weicht der Erde und dem Himmel aus, und für alle Menschen im Dorf, für die Tintenreichen und Verlassenen gibt es nichts als diesen einzigartigen, winzigen Ort, an dem sie sich gerade wiedergefunden haben. Überall quakten Frösche, Grillen zirpten und zeigten dir den Weg, der unter die Erde führt. Gleichzeitig das Dorf im Echo einer Kiste einzuzäunen, damit niemand dort entkommen kann.” (S. 8)
„Ich hasste dieses starke und stumpfe Feld (…) Jedes Feld war das Panoptikum einer unbegrenzten Weite der Todesarten (…) Jedes Land praktizierte den Tod“ (S. 11)
Berlin
„Berlin ist kein Aprikosenland, hier ist es zu kalt. Aprikosenmangel habe ich in Berlin nicht gespürt, aber dann bin ich plötzlich auf einen Aprikosenbaum gestoßen, ohne danach zu suchen. (…) Er wuchs aus einer Böschungsmulde, seine Krone reicht3 bis zur Höhe des Brückengeländers. (…) Du verlässt einen gefährlichen Ort im letzten Moment, du findest irgendwo das geeignetste Land, aber du lässt dich hier am falschen Ort nieder und hast nicht mehr den Willen zu gehen“ (S. 16)
„bis zu dem abgelegenen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es keine asphaltierte Straße, nur einige holprige Straßen voller Schotter“ (S. 44)
„In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, bin ich als Kind jahrelang Fahrrad gefahren. Durch Tabakfelder, durch Obstplantagen, hinab ins Flusstal oder Richtung Waldrand. Ich gehe lieber alleine und ohne konkretes Ziel.” (S. 146)
die Stadt im Banat
“Ich bin mit 15 Jahren in die Stadt gekommen, hier bin ich auf ganz andere Dinge gestoßen und habe Rumänisch gelernt.” (S. 24)
Rumänien
“Ich mag das Wort “Heimat” nicht, in Rumänien gab es zwei Arten von Heimatbesitzer. Die einen waren die Schwaben, (…) und die anderen die Funktionäre der Diktatur” (S. 31)
Deutschland
„An meinem ersten Silvester in Deutschland tauchten plötzlich nach Mitternacht Könige mitten in der Party auf” (S. 64)
„Schon in den ersten Tagen nach meiner Ankunft aus Rumänien wurde ich zum Essen eingeladen. Als ich die Küche betrat, bräunte der Gastgeber gerade ein Lammsteak im Ofen. Ich sah zum ersten Mal einen Ofen mit Glasfenster.” (S. 198)