Handlungsort/ Setting: Moneasa
Projizierter Ort/ Projected place: die Schweiz
Route: Westen – Osten
Handlungszeit/ Time of action: 2000
Marker: keine
Moneasa
“Die Felder waren ordentlich bestellt, nach der Grenze hingegen war man nachlässiger. Man ließ der Natur zu viele Freiheiten.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 10)
„die Straße nach Moneasa ist nicht sicher, sie ist voller Schlaglöcher“ (Der blinde Masseur 2006, S. 66)
„Ich steckte fest am Ende aller Straßen, vor einem Berg, der sich für Audis nicht öffnete und folgte mit meinem Gepäck auf dem Arm einem Blinden, der Hugo zitierte.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 69)
Die Bibliothek in Moneasa
„Ich verstand schnell, wieso er sein Messagezimmer als Vorraum seiner Bibliothek bezeichnete. Wer nicht gewohnt war zu lesen, Bücher als wertvollen Besitz zu betrachten, der wurde von dem Anblick überwältigt. (…) In Ions Massageraum stand man neben einem Schatz gegenüber, einem, den man nur mit jahrelanger Geduld und Liebe zusammentragen konnte. Wenn man aber sah, was sich hinter Ions Wohnungstür verbarg, wusste man, dass der Massageraum nur ein Lager, eube Absteige, ein Raumersatz für die unzähligen Bücher war. Man hätte auf dem Flur einen Stuhl, eine Garderobe, einen Spiegel erwartet, aber es gab Regale mit Büchern in zwei Reihen, von Boden bis zur Decke. Zwischen der obsersten Reihe und der Decke konnte man kaum eine Messerklinge durchziehen, als ob man ungern bei der Decke aufgehört, sondern viel lieber Bücher bis in die Wohnung der Nachbarn aufgestapelt hätte. (…) Auch die Küche war nicht fürs Essen gedacht, sondern fürs Wissen. Die Regale der Abstellkammer waren mit Büchern gefüllt wie anderswo mit Einmachgläsern. Das Einzige, was dazwischen hing und duftete, waren Speck und Zweibeln.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 93)
„ein Waschbecken, eine an einem Draht hängende Glühbirne, ein schmales Bett, rundum leere Kartonschachteln, Briefumschläge aller Art und zwei, drei Aufnahmegeräte. (…) Alles wurde als Abstellfläche benützt, der Herd, der Tisch, das Fenstersims, jeder Stuhl und sogar das Spülbecken. “ (Der blinde Masseur 2006, S. 73)
der Friedhof – Moneasa
„sie waren tagein, tagaus diesen einen Weg gegangen, mit den Hühnern aufgewacht und am Abend mit den Kühen wieder ins Dorf zurückgekehrt. Die Erde lagerte sich von Jahr zu Jahr stärker in ihnen ein, der Friedhof wurde größer, die Toten raschelten unter dem Boden, irgendwann würden sie enger zusammenrücken und auch für die beiden Platz machen.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 64)
die Buchhandlung – Moneasa
„Ion hatte auf dem Parkplatz eine Art Buchhandlung aufegestellt. Auf einem kleinen, mit Planen überdachten Wagen stapelten sich Bücher. Da waren sie, die Transitbücher. Aus der Wohnung in den Massageraum und von dort auf die Straße, das war die Karriere, die manche Schriftsteller in Moneasa machten. Es sah aus wie ein Eiscremewagen, der an heißen Tagen vorbeifuhr und bei dem man auswählen konnte zwischen Vanille-, Erdbeer-, Pistaziengeschmack.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 152)
Rumänien
„Dieses Land lag unter einer dichten Geruchsglocke. Die Menschen wappneten sich täglich gegen den Teufel. Der hätte längst auswandern können, aber er harrte aus.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 6)
die Stadt
„Es waren einfache Männer, Handwerker und Bauern, an ihrer Aussprache merkte man es. Sie hatten in Italien ihre Haustüren abgeschlossen, hier schlossen sie den Freundinnen bescheidene Wohnungen auf. Die Einfachen des Südens nahmen sich die Einfachen des Ostens.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 52)
die Schule
„hinter manchen Türen wurde gesungen oder es wurden Formeln ausgesagt, ein Lehrer ermahnte einen Schüler, ein Schüler erklärte die Photosynthese (…) Der Flur roch nach dem Chlor der Putzfrauen und die Klos nach Urin, das war schon immer so gewesen. Manche Klassenräume waren leer, ich ging hinein und versuchte mich zu erinnern, ob ich jemals dort gewesen war. Wie überall auf der Welt waren im Holz der Schreibpulte Namen, Herzen, Fußballmannschaften eingeritzt. (…) Das war eine armselige Provinzstadt im Osten.“ (Der blinde Masseur 2006, S. 56)