Handlungsort: Wien und Zagreb

projizierter Ort: Zagreb

Route: Westen – Osten

Handlungszeit: Ende der 1990er Jahre

Wien

„Als ich nach Wien kam und Ernst kennenlernte, sprach ich schlecht Deutsch. Wegen der Sprache kam ich nämlich nach Wien. Ich hatte gerade mein Jus-Diplom in Zagreb gemacht und musste für die Praxis in einer Rechtsanwaltskanzlei Deutsch können.“ (S. 1)

„Ernsts Zimmer war in Prater – Nähe, durch sein Fenster konnte man den Donaukanal sehen. Vor dem Gebäude waren Lindenbäume und ein Verkehrsweg.“ (S. 11)

„Der Blick auf Wien blieb für uns ohne Bedeutung. Wir sahen über die Gebäude, über die Bäume und Türme der Kirchen, über die Wolke und die Sonne – wir schauten nur den Himmel über der Stadt an. Ein Stück des Himmels, das bloß uns gehörte.“ (S. 20)

Florisdorf-Wien

“Wir kamen in Florisdorf, einem Randbezirk Wiens, an, vor einem schönen Haus mit einem großen Vorgarten voll von Fichtenbäumen. Tante Sonja war nett und lieb und lachte viel, Onkel Klaus sprach begeistert von einem Urlaub in Kroatien, an der Adria.“ (S. 60)

Ernsts Wohnung in Wien

„In Ernsts Wohnung fehlte es ständig an Geschirr. Gelegentlich hatte er bloß einen Teller, immer einzelne, abgeschlagene Tassen, Gläser ware meistens Plastikbecher, Glasschüsseln waren geborsten, Dessertteller unbrauchbar.“ (S. 35)

Wien Prater

„Im Oktober gingen wir im Prater spazieren und dort verbrachten wir die noch immer warmen Nachmittage. Wir lagen auf den Wiesen und sahen den Himmel und die ziehenden Wolken, oder wir saßen in der Nähe der Spielplätze und schauten dem Kinderspiel zu. (…) Die Welt, die uns umgab, enthielt ruhige Kräfte, die uns, während wir dort saßen und lagen, ausfüllten.“ (S. 38)

„Einmal, es war Anfang November und es war windig, kauften wir Papierdrachen und gingen zur Jesuitenwiese im Prater.“ (S. 45)

Wien-Donau

„Einie Tage nach dem nächtlichen Kuss fuhren wir zur Donau. Er wollte mich auf den Donauturm bringen und mir die Aussicht zeigen. Es war ein Sonntagnachmittag im September, es war windig, aber sonnig, noch viele sommerliche Touristen waren in Wien.“ (S. 18)

Wien-Naschmarkt

„Bisweilen, wenn das Wetter schön war, gingen wir Samstagmorgen auf den Naschmarkt. Wir kauften spanische Erbeeren, türkisches Fladenbrot und Nüsse, saßen auf einem Steinzaun hinter den Verkaufsständen und aßen unser Frühstück. Wir beobachteten das Leben hinter den Ständen, hinter den Kulissen.“ (S. 43)

Zagreb

„Ich muss nach Zagreb zurückkehren“. (S. 5)

„Einmal fuhr ich mit dem Bus durch den Vorort Zagrebs, wo meine Großeltern wohnten, ich wollte sie besuchen. Der Bus hielt vor einer Kreuzung. Durch das Busfenster schaute ich ein großes Haus an. Es hatte kleine Balkone, und auf dem letzten Balkon war ein ungefähr siebenjähriges Mädchen.“ (S. 54)

„Im Lauf eines Jahre in Wien fuhr ich drei Male nach Zagreb: zwei Mal im Herbst und dann zu Neujahr. Jedes Mal war Ernst überrascht von meiner Abreise. Er fragte mich, was das Unaufverschiebbare sei und ob etwas mit uns zu tun habe.“ (S. 111)

„Reisen nach Zagreb machen mich immer melancholisch. Nicht wegen Zagreb und der Ankunft in Zagreb, sondern weger der hinter mit gebliebenen Vergangenheit, über die ich nachdenken und die ich durch die Fahrt als Sachlichkeit empfinden kann – ich sehe nicht das, was kommt, sondern nur das, was ich hinter mir lasse.“ (S. 114)

„Ich furh nach Zagreb, weil mich meine Verwandte mit ihren zwei Kindern in Wien für ein paar Tage besucht hatte und bat mich, sie und ihre Kinder nach Zagreb zu begleiten. Ich hatte vor, ein Wochenende in Zagreb zu bleiben, aber ich blieb eine ganze Woche.“ (S. 150)

„Dieses Mal empfing mich Zagreb anders, es war mir unbekannt. Wir betrachteten uns ein paar Tage, beobachteten, was mit uns passiert war, ich fragte mich, wer sich wohl verändert hatte, die Stadt oder ich. Die Straßen waren neu, anders, die Parks waren fremd, die Menschen grau und ohne Lächeln. Ich roch Staub, totes Unkraut und manchmal den Gestank von ranzigem Öl. (…) Nur die Straßenbahnen fuhren gleich langsam, rüttlend und winselnd, wie sie fuhren, als ich ein Kind war. Sie hielten an, die gleichen Fahrgäste stiegen ein, wie vor zwanzig Jahren. (…) Die Tafeln mit den Anschriften über den Schaffnern klapperten während der Fahrt, als ob sie sich selbst vorlesen würden, was auf ihnen stand.“ (S. 160)

Kroatien

„Neben der Autobahn liegen in Kroatien die Dörflein, die auf Hügeln wie durcheinandergeworfen schlafen. In der Nacht leuchten die Lichter der Häuser in diesen Dörflein, so, als ob sie Schmuck der Hägeln wären. Vereinzelte Häuser liegen zwischen Weinbergen und Wiesen und schlafen in der Dunkelheit. Und diese Lichter, Lichter der einsamen Häuser sind so winzig in der Nacht und erinnern mich an die Kerzenlichter auf den Friedhöfen in der Nacht.“ (S. 114)

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