Handlungsort/ Setting: Temeswar und das Dorf
Projizierter Ort/ Projected place: kein
Route: kein
Handlungszeit/ Time of action: 1980er Jahre
Marker: Piatra Neamț
die Kleinstadt – Temeswar
„Der Präsident war schon seit Tagen angekündigt. Überall im Straßenbild sah man emsig arbeitende Gruppen der Stadtreinigung. Betriebswagen, mit Fahnen und Losungen (…) Auf Kranfahrzeugen standen Arbeiter und montierten Fahnenstützen an die Strommasten der Hauptstraßen, vor allem auf dem Korso zwischen Operngebäude und orthodoxer Kathedrale. (…) Vorm Opernbalkon konnte man direkt auf die orthodoxe Kathedrale sehen.“ (S. 17)
„Er ging lange zu Fuß. Erneut lernte er das Gefühl, geblendet zu sein. Er ging, bis sich die Gerüchte änderten. Er ging zwischen den Blocks herum. Sie waren so dicht aneinander gebaut, daß zwischen ihnen nur noch verwinkelte Durchlässe Platz hatten, die schon geheimen Zugängen und Versorgungspfaden glichen.“ (S. 71)
„Die dunkle Stadt, die hetzenden Leute. Es war wie in einer tiefen Depression. Er wurde beim Gehen den Eindruck nicht los, Gleichgewichtsstörungen zu haben. Er ging wie ein Gefangener in jenem rundummauerten Gelaß, aus dem man nichts als den Himmel sah.“ (S. 104)
„Ich fahr zum Depot (…) Die Straßenbahn hielt. Stirner las auf dem Schild der Haltestelle: Parcul poporului“ (S. 113)
Parteihotel in Temeswar
„Der Chefredakteur wohnte, wenn er in die Stadt kam, im Parteihotel. Das Parteihotel war ein kleines Gebäude in einer stillen Straße, hinter einer Parkanlage. Die Straße gehörte zum Bonzenviertel. Wenig Verkehr, einstöckige Villen mit Garten, Garage. Selten sah man jemanden in den Höfen. Hie und da ältere Männer in rätselhafter Stummheit. Vor den Villen parkten Wagen mit kleinen Nummern. (…) Früher hatte hier das Bürgertum gewohnt.“ (S. 23)
ein Lokal in Temeswar
„Als Sabine und Stirner das Lokal betraten, waren erst zwei Tische besetzt. Es war viertel eins, eigentlich zu früh zum Mittagessen, aber in einer halben Stunde wird es so voll sein, daß man keinen freien Platz mehr findet. (…) Es war das Lokal der ausländischen Studenten, die hier ihren Schwarzmarktgewinn in Essen umsetzten. Es war das einzige Lokal der Stadt, das nicht wie eine Fabrikhalle aussah und in dem man noch halbwegs anständig essen konnte.“ (S. 86)
der Park in Temeswar
„Stirner ging durch den Park neben der Kathedrale. Es war der einzige in der Stadt, in dem die Bänke, aus welchen Gründen auch immer, nicht beschädigt waren: Bänke noch aus den sechziger Jahren, auf Betonfüßen, darauf waren breite Bohlen befestigt. Daneben standen neuere Bänke, zusammengeschweißte Eisenstäbe, dünne Latten drüber. In der Mitte des Parks war eine breite Allee. Hier befand sich das Denkmal der rumänischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten, genauer, im letzten Teil des Krieges (…) als Rumänien die Waffen umgedreht hatte.“ (S. 115)
„das Denkmal war aus weißen Marmorblöcken zusammengesetzt, es ruhte auf einem hohen Sockel, ein Soldat mit hochgehaltener Fahne, Gewehr bei Fuß. Die Seitenreliefs zeigten allegorische Szenen.“ (S. 115)
Piatra Neamț
„Sie war fünf Jahre in Piatra Neamț, in der Moldau gewesen, durch Zuteilung, sagte sie, und sie wäre fast nicht mehr weggekommen. Jetzt sei sie wieder da, zu Hause, sagte sie, den halben Herbst habe sie antichambriert, beim Schulinspektorat.” (S. 9)
das Dorf
„Wenn das so weitergeht im Dorf mit der Auswanderung, müßte man bald eine Zeitung in Urdu herausbringen, was eine Anspielung auf die Zahl der Zigeuner im Dorf sein sollte.” (S. 10)
„der Kollege und Stirner blieben vor einem protzigen schwäbischen Haus stehn, ein hoher Zaun verstellte den Blick in den Hof.” (S. 12)
„Die Straße war leer, Haus an Haus, jedes eine kleine Festung. Niemand war zu sehn.” (S. 12)
„Die Alte führte sie in ein Zimmer, das mit dem gängigen Sperrmüll eingerichtet war. In den letzten Jahren hatten die meisten ihre alten schwäbischen Möbel abgeschafft und lebten zeitgemäß.” (S. 13)
„Stirne lag auf dem Diwan und las. Der Diwan stammte von Sabines Großmutter. Er hatte im Gang, im kühlen Langhaus gestanden.” (S. 14)
„Vor einem Jahrzehnt, nach der letzten Überschwemmung, war Stirner zum ersten Mal in dem Haus gewesen, das seinem Urgroßvater gehört hatte (…) Da war das Schlafzimmer der Urgroßeltern gewesen, sagte der Vater. Sie gingen durch die Zimmer. Sie gingen auf Lehmboden. Lehmgeruch war in der Luft. Durchs Dach schien die Sonne, aus den Wänden starrte das nackte Weidengeflecht.” (S. 39)
Jassy
„Mit dem habe er in Jassy studiert.” (S. 11)